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^

BEITRÄGE

ZUR

DEUTSCHEN JUDENERAGE

MIT

AKADEMISCHEN ARABESKEN

ALS

UNTERLAGEN

zu EINER

REFORM DER DEUTSCHEN UNIVERSITÄTEN

VON

FRIEDRICH ZÖLLNER

Professor der Astrophysik an der Universität Leipzig.

Mit 2 Bildnissen in Stahlstich, 2 lithographirten Tafeln und 16 photographisch-facsimilirten Briefen.

LEIPZIG.

COMMISSIONSVERLAG VON E. KEMPE.

1880.

DS

,,In welcher glückseligen Welt würden wir leben, wenn alle Menschen die Wahrheiten annähmen und ausübten , die die besten Christen und die besten Juden gemeinsam haben."

Moses Mendelssohn an Charles Bonnet, 9. Febr. 1770.

Beginn des Druckes: 3, Juli 1880.

Alle ReclUe vorbehalten.

Einleitung

durch

Citate ohne Commentar.

1.

„Da die Erfahrungen vielfältig gezeiget, dass die zur christlichen Eeligion übergegangenen Juden nicht sowohl aus wahrem Triebe imd lauteren Absichten als vielmehr aus unerlaubten Endzwecken gehandelt, sollen keine Juden zum Unterricht in der christlichen Eeligion eher ange- nommen werden, bis nicht von ihrem unsträflichen Wandel sichere Nach- richten eingezogen und darüber schriftHche glaubhafte Atteste eingereicht worden. Ihr werdet euch hiernach gehorsamst zu achten wissen und empfanget von dieser gedruckten Verordnung Exemplaria, um solche ex Officio an die Behörde unter eurer Unterschrift abgehen zu lassen."

Eriedrich der Grosse,

Verordnung an alle Regierungen v. 20. Juli 1774.

„Die Juden unter Friedrich dem Grossen nach urkundlichen Quellen

von Hans Jungfer." Leipzig 1880 (Grunow), S. 38.

2.

„Was wegen ihres Handels ist, behalten sie. Aber dass sie ganze Eölkerschaften von Juden zu Breslau anbringen und ein gantzes Jerusalem daraus machen wollen, das kann nicht seynd."

Friedrich der Grosse,

Bescheid v. 1778 an Itzig & Ephraim in Breslau. S. 34 a. a. 0.

3.

„Da man in Erfahrung gebracht, dass eben zu itziger Zeit, da die Eussischen leichten Truppen unterschiedliche Invasiories in Hinterpommern und der Neumark vorgenommen, sich viele fremde Juden im Lande sehen lassen, welche sich zu Spionen und Anführern derer Eeinde und andern Eaub - Gesindels gebrauchen lassen: So werden alle und jede Gerichts- Obrigkeiten in Städten sowohl auf dem platten Lande hierdurch befehligt, auf die fremden Juden gute Aufsicht zu haben und alle unbekannten

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Juden anziüialten und nicht ins Land zu lassen. Sollten sich aber dergl. ... im Lande betreten lassen, sollen dieselben aufgegriffen, in die nächste Vestung gebracht und allda zur Vestungsarbeit angehalten werden, und ist dieses Proclama in den Krügen und Dörfern, in den Städten aber an öffentlichen Orten und in den Thoren anzuschlagen."

Friedrich der Grosse,

22. Juli 1758. S. 21 a. a. 0.

4.

„Die unter uns lebenden Palästiner sind durch ihren Wuchergeist, auch was die grösste Menge betrifft, in den nicht unbegründeten Euf des Betrugs gekommen. Es scheint zwar befremdlich, sich eine Nation von Betrügern zu denken, aber ebenso befremdlich scheint es doch auch, eine Nation von Kaufleuten zu denken, deren bei weitem grösster Theil, durch einen alten Aberglauben verbunden, keine bürgerliche Ehre sucht, sondern den Verlust dieser letzteren durch die Vortheile der Ueberlistung des Volkes, unter dem sie Schutz finden, ersetzen will."

Kant,

Anthropologie in pragmatischer Hinsicht.

„Israel und die Gojim. Beiträge zur Beurtheilung der

Judenfrage." Leipzig 1880. (Grunow) S. 86.

5.

„Die Juden müssen als ein besonderes Volk, nicht als eine religiöse Sekte behandelt werden. Es ist zu demüthigend für das französische Volk, in die Gewalt des niedrigsten aller übrigen zu gerathen . . . Die Juden sind Eaubritter der Neuzeit, wahre Kabenschwärme. Man muss sie staatsrechtlich behandeln, nicht civilrechtlich."

Napoleon L,

Rede am 6. April 1806 im Staatsrathe. (Vgl. Israel und die Gojim. S. 89.)

6.

„Fast durch alle Länder Europa's verbreitet sich ein mächtiger feind- seliger Staat, der mit allen andern in beständigem Kriege lebt und furcht- bar schwer auf die Bürger drückt, es ist das Judenthum . . . Von solch einem Volke sollte sich etwas anderes erwarten lassen, als dass ge- schieht, was wir täglich sehen: dass in einem Staate, wo der unum- schränkteste König mir meine väterliche Hütte nicht nehmen darf, und wo ich gegen den allmächtigen Minister mein Kecht finde, mich doch jeder Jude, dem es einfällt, ganz ungestraft ausplündert."

Johann Gottlieb Fichte,

„Berichte zur Berichtigung der Urtheile über die französische Revolution." (Vgl. Israel und die Gojim. S. 86.)

7.

„Die Juden sind ein Volk, das in der Erziehung verdarb, weil es nie zur Keife einer politischen Cultur auf eignem Boden, mithin auch nicht zum wahren Gefühle der Ehre und Freiheit gelangte ... Das Volk Gottes

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ist eine parasitisclie Pflanze auf den Stämmen anderer Nationen, ein Geschlecht schlauer Unterhändler beinahe auf der ganzen Erde, das nirgends sich noch nach einem Vaterlande sehnt."

Herder,

„Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit."

8.

,,Der Jude malt wohl, aber nur, wenn er"s nicht nöthig hat. Ja, Meier heim, aber Bendemann hat wohl nur jüdische Grosseltern ge- habt. — Jüdische Componisten, da giebt es viele Meyer beer, Men- delssohn, Halevy aber Maler . ." (IL S. 147). . . ,,Ja, ich bin doch der Meinung, dass sie durch Kreuzung verbessert werden müssen. Die Kesultate sind nicht übel . . alles ganz gescheidte, nette Leute . . . Uebrigens ist es wohl umgekehrt besser wenn man einen christlichen Hengst von deutscher Zucht mit einer jüdischen Stute zusammenbringt. Das Geld muss wieder in Umlauf kommen, und es giebt auch keine üble Ea9e (H, S. 218). ,,Stroussberg sagte einmal zu mir, ich weiss, ich sterbe einmal nicht in meinem Hause. Aber so schnell brauchte das doch nicht zu kommen. Vielleicht überhaupt nicht, wenn nicht der Krieg kam. Er deckte seine Auslagen immer mit neuen Aktien, und das ging, obwohl andere Juden, die vor ihm reich geworden waren, ihm nach allen Kräften das Spiel zu verderben suchten. Nun aber kam der Krieg, und da gingen seine Eumänier herunter , so dass man fragen konnte , was der Centner koste." (H. S. 278).

,,Wenn ich mir als Eepräsentanten der geheiligten Majestät des Königs gegenüber einen Juden denke, dem ich gehorchen soll, so muss ich be- kennen, dass ich mich tief niedergedrückt und gebeugt fühlen würde, dass mich die Freudigkeit und das aufrechte Ehrgefühl verlassen würden, mit welchen ich jetzt meine Pflichten gegen den Staat zu erfüllen bemüht

bin" (L S. 210).

Fürst von Bismarck.

1870 vor Paris iind 1847 in Berlin.

„Busch, Graf Bismarck nnd seine Leute"

a. a. 0.

9.

„Die Deutschen stehen im Euf eines guten Charakters, nämlich dem der Ehrlichkeit und Häuslichkeit, Eigenschaften, die eben nicht zum Glänzen geeignet sind. Der Deutsche fügt sich unter allen civilisirten Völkern am leichtesten und dauerhaftesten der Eegierung , unter der er ist , und ist am Meisten von Neuerungssucht und Widersetzlichkeit gegen die ein- geführte Ordnung entfernt. Sein Charakter ist mit Verstand verbundenes Phlegma, ohne weder über die schon eingeführte zu vernünfteln, noch sich selbst eine auszudenken. Er ist dabei doch der Mann von allen Ländern und Klimaten, wandert leicht aus und ist an sein Vaterland nicht leiden- schaftlich gefesselt; wo er aber in fremde Länder als Colonist hinkommt, da schliesst er bald mit seinen Landesgenossen eine Art von bürgerlichen Verein, der durch Einheit der Sprache, zum Theil auch der Eeligion, ihn

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zu einem Völkchen ansiedelt, das unter der höheren Obrigkeit in einer ruhigen, sittlichen Verfassung durch Fleiss, Eeinlichkeit und Sparsamkeit vor den Ansitzungen anderer Völker sich vorzüglich auszeichnet. Sa lautet das Lob. welches selbst Engländer den Deutschen in Nordamerika geben." Seine unvortheilhafte Seite ist sein Hang zum Nachahmen und die geringe Meinung von sich, original sein zu können, was gerade das Gegentheil des trotzigen Engländers ist, vornämlich aber eine gewisse Methodensucht, sich mit den übrigen Staatsbürgern nicht etwa nach einem Princip der Annäherung zur Gleichheit, sondern nach Stufen des Vorzugs und einer Eangordnung peinlich classificiren zu lassen, und in diesem Schema des Eanges, in der Erfindung der Titel (vom Edlen- und Hochedlen, Wohl- und Hochwohl- auch Hochgeborenen) unerschöpflich und so aus blosser Pedanterei knechtisch zu sein, welches alles freilich wohl der Form der Eeichsverfassung Deutschlands zugerechnet werden mag; dabei aber sich die Bemerkung nicht bergen lässt, dass doch das Entstehen dieser pedanti- schen Form selber aus dem Geiste der Nation und dem natürlichen Hange des Deutschen hervorgeht: zwischen dem, der herrschen, bis zu dem, der gehorchen soll, eine Leiter anzulegen, woran jede Sprosse mit dem Grade des Ansehens bezeichnet wird , der ihr gebührt ; und der , welcher kein Gewerbe, dabei aber auch keinen Titel hat, wie es heisst. Nichts ist, welches denn dem Staate, der diesen ertheilt, freilich was einbringt, aber auch ohne hierauf zu sehen, bei Unterthanen Ansprüche anderer Wichtig- keit in der Meinung zu begrenzen erregt, welche andern Völkern lächer- lich vorkommen muss, und in der That als Peinlichkeit und Bedürfniss der methodischen Eintheilung, um ein Ganzes unter einen Begriff zu fassen, die Beschränkung des angeborenen Talents verräth."

Kant,

Anthropologie in pragmatischer Hinsieht. Bd. VII. 2. S. 255. n. 257.

10.

„Die Deutschen sind gut, wenn sie durch Zwang oder Zorn einig- sind — vortrefflich, unwiderstehlich, nicht zu überwinden sonst aber will jeder nach seinem Kopfe."

Fürst von Bismarck

vor Paris 1870. Busch, Graf Bismarck II. S. 310.

11.

„An den deutschen Hochschulen wirken gegenwärtig, wie der Univer- sitätskalender aufweist, gegen 70 Professoren rein jüdischer Abkunft; darunter namhafte Vertreter aller Disciplinen, der protestantischen Theo- logie und der Jurisprudenz, der Philosophie und Philologie, der Geschichte und Mathematik, der Medicin und der Naturwissenschaften. Diese Zahl und gewiss werden Sie nicht geneigt sein, so viele Ihrer Collegen unter die betriebsame Schaar der Talente dritten Eanges zu verweisen ist allerdings, wie jede unbefangene Betrachtung anerkennen wird, gross; dies beträgt im Verhältniss zuder Gesammtzahl deutscher Professoren mehr

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als dreimal so viel, als nach den Bevölkerungsziffern erwartet Averden sollte ; gerade ihre Grösse Avird uns von anderen Gegnern zum Vorwurf gemacht. Ich glaube damit gezeigt zu haben , dass die Juden nicht blos an dem materiellen, sondern auch an dem geistigen Kapital der deutschen Nation einen guten Antheil haben." (S. 17.)

Harry Bresslau,

Israelitischer Professor der Geschichte an der Universität Berlin. „Sendschreiben an Hrn. Prof. Dr. Heinrich v. Treitsehke". Berlin (Düminler) 1880.

12.

„Das Deutsch, welches man liier antrifft, ist schlecht; es ist so schlecht , dass ich sagen würde : annehmen , Georg Ebers könnte es nicht besser schreiben , hiesse ihn beleidigen , imd annehmen , er hielte grössere Sorgfalt im schriftlichen Ausdruck nicht für der Mühe werth,

hiesse sein Publicum beleidigen Vielleicht haben damals die

Aegypter derartig mangelhaftes Aegyptisch gesprochen und das ent- sprechende Deutsch wird uns aus historischer Treue dargeboten. Dies und Aehnliches hoffe ich, Avie auch, dass die Leser von Georg Ebers seinen Stil wirklich nur als für Aegypten passend erkennen und ja nicht sonst damit zufrieden sind. Anders wär's schlimm. Denn wenn ich annehmen muss, dass Ebers' frühere ägyptische Eomane in gleichem Deutsch ge- schrieben sind, Avelche, wie ich zähle, in 23 Auflagen unter den gebildeten Deutschen Verbreitung gefunden haben, so Avürde für die weitere Entartung unserer Schriftsprache und für den geschwinden Fortgang ihres Verfalles und ihrer Verwilderung nicht wenig zu besorgen sein. Aber es sei ferne von mir zu glauben, dass der Verfasser der ,, „Schwestern"" sich nicht der Pflicht bewusst sei, die besonders unter den unserer Muttersprache drohenden Gefahren jeder Schriftsteller hat und der von Kuf am meisten, dafür nach seinem Theile zu sorgen, dass dieses edelste Erbe unserer Väter, diese Lebensluft unseres Geistes, mit deren Verderben er selbst unrettbar verkümmern muss, nicht Aveiter in die Eapuse "gerathe, vne Luther sagt, sondern aus den Händen der Peiniger und Verkehrer ge- rettet Averde."

H. Steinhausen,

„Memphis in Leipzig oder Georg Ebers und seine Schwestern." Frankfurt a. M. 1880. S. 38 ff.

13.

„Eure Gelehrten schreiben ZAvar schön, geistA^oll, aber doch nur für ihres Gleichen , Avährend die Popularität das Schiboleth unserer Zeit ist. Das deutsche Juden thum arbeitet gegenwärtig so kräftig, so riesig, so unermüdet an der neuen Cultur vmd Wis senschaft, dass der grösste Theil des Christenthums boAvusst oder unbcAvusst A^on dem Geiste des modernen Judenthums geleitet Avird. "

„Eine bedeutende jüdische Stimme."

„Modern" von Richard Wagner, Baireuther Blätter, 1878. März. S. 57.

Von Herrn Dr. David Asher, Privatlehrer der eng- lischen und deutschen Sprache, Uebersetzer und Corrector und verpflichteter Uebersetzer beim Königlichen Amtsgericht zu Leipzig, sind mir die beiden folgenden Briefe zugegangen:

1.

(Vgl. Facsimile 1.) Leipzig, den 30. Juni 1880.

„Herrn Professor Dr. Zöllner, hier.

Nachdem ich soeben erst erfahren, dass Sie mich in Ihrem Buche „„Zur Aufklärung des deutschen Volkes"" neben „„Glattstern"" nennen und der Leser nicht weiss, in welchem Sinne Sie das meinen, habe ich von meinem Advokaten den Kath ertheüt bekommen, Sie hiermit aufzufordern, im hiesigen Tageblatte eine Erklärung darüber abzugeben, dass Sie damit meinem sittlich unbeschol- tenen Charakter nicht zu nahe zu treten beabsichtigt haben; auch die Angabe zu widerrufen, man habe mir aus London geantwortet, ich möchte meine Beschwerde darüber, dass Sie noch nicht Ihres Amtes enthoben seien, an das hiesige Cultusministerium richten.

Verweigern Sie das, so werde ich mich genöthigt sehen, anderweitige Schritte gegen Sie wegen Verunglimpfung meines Namens, der Sie sich haben zu schulden kommen lassen, zu ergreifen.

Dr. David Asher."

2.

(Vgl. Facsimile 2.) Lelimann's Garten 2 r., den 3. Juli 1880.

„Herrn Professor Dr. Zöllner, hier. Da ich verabsäumt habe, meinen Brief an Sie vom 30. v. M. zu recommandiren, so wiederhole ich hiermit meine darin an Sie gerichtete Aufforderung, im hiesigen „Tageblatt", dass Sie mit der Zusammen- stellung meines Namens mit dem eines „Glattstern" nicht beab- sichtigt haben, meinem sittlich unbescholtenen Charakter zu nahe zu treten und zugleich die falsche Angabe in Ihrem Buche zu berichtigen, man habe mir von London aus auf meinen Artikel geantwortet, ich müsse meine Beschwerde (?) betreffend Ihre Absetzung an das hiesige

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Cultusministerium riclitcn. Iin Weigerungsfälle werde ich weitere Schritte gegen Sie, wegen Verunghmpfimg meines Namens thun.

Dr. D. As her.

NB. Ich werde bis kihiftigen Dienstag, den 6. d. M., abwarten, was Sic thun und dann sollen Sie, falls die Erklärung nicht erfolgt ist, weiter von mir hören.

P. S. (mit Bleistift geschrieben). Es handelt sich also um eine Ehrenerklärung und Berichtigung einer falschen Angabe! Die Unterlassung könnte schwere Folgen für Sie nach sich ziehen."

Der erste Brief war von mir nicht beantwortet worden. Auf den zweiten sandte ich einen ,, eingeschriebenen" Brief folgenden Inhaltes ab:

Leipzig, den 5. Juli 1880.

,, Herrn Dr. David Asher, hier.

Eine „Erklärung", Ihren „sittlich unbescholtenen Charakter" be- treffend, nebst ,, Berichtigung" wird von mir im Laufe dieses Monats veröffentlicht und Ihnen zugestellt werden.

F. Zöllner."

In Erwiderung der beiden vorstehenden, wörtlich und vollständig abgedruckten i) Briefe des Hrn. Dr. David Asher gebe ich hier zunächst die öffentliche Erklärung ab, dass Alles, was ich in dem oben erwähnten Buche über die Person und die Handlungen des Dr. Asher mitgetheilt habe, auf freiwilligen Mittheilungen eines mir befreundeten Ober- lehrers an der hiesigen Thomasschule beruht, dem dieselben mündlich von einem seiner Collegen, gegen denHr.Dr. Asher persönlich verschiedenartige Beschwerden und Klagen über Leipziger Schul- und Universitäts Verhältnisse geäussert hat, mitgetheilt worden sind. Obschon es sich bei dem Berichte über solche, mehrfach durch mündliche Vermittelunof berich- tete, Thatsachen leicht ereignen kann, dass in einigen un- wesentlichen Punkten Abweichungen von den thatsächlich stattgefundenen Begebenheiten vorkommen, so freut es mich doch, hier öffentlich constatiren zu können, dass mein Gewährs- mann, mit dem ich, ohne ihn vom Empfange der obigen Briefe inKenntniss zu setzen, persönHch bereits am 1. Juli Rücksprache genommen hatte, mir die vollkommen cor-

^) Alle durch gesperrte Schrift hervorgehobenen Worte sind in den Originalen unterstrichen.

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re et e Wiedergabe alles dessen bestätigte, ^vas ich auf Grund seiner früheren mündlichen Mittheilungen in meinem Buche über Dr. Asher veröffentlicht habe. Da nun aber selbst- verständlich Hr. Dr. Asher selber am besten darüber unter- richtet sein muss, was man ihm bei Rücksendung seines in englischer Sprache an die Redaction einer Londoner Zeitung „üeber die Fortschritte des Spiritualismus in

Deutschland" abgesandten Manuscriptes geantwortet hat, so würde es zur Rechtfertigung seiner Ehre gegen unwahre Gerüchte, das Ein- fachste sein, wenn er sowohl sein Manuscript als auch die Antwort der betreffenden Redaction wahrheitsgetreu und voll- ständio^ im hiesio^en Tao^eblatte veröffentlichte. Darüber, dass Hr. Dr. Asher thatsächlich ein derartiges Manuscript an eine englische Zeitung zum Abdruck eingesandt und als nicht geeignet wieder zurück erhalten hat, habe ich mir auf folgende Weise Gewissheit verschafft.

Noch an demselben Tage, als ich den ersten Brief empfing, begab ich mich Abends nach 7 Uhr persönlich in die Wohnung des Herrn Professor Dr. Heym, Oberlehrer der Mathematik an der hiesigen Thomasschule. Ohne dass ich demselben von jenem Briefe etwas mittheilte, erzählte er mir über eine Unterredung mit Dr. Asher Folgendes und gestattete mir zugleich in freundlicher Weise, ihn öffentlich als Gewährsmann, für die thatsächliche Richtigkeit des Inhaltes seines Gespräches mit Dr. Asher anzuführen.

Hr. Dr. Asher sei eines Tages zu Prof. Heym gekommen, um sich darüber zu beschweren, dass sein Sohn, als Israelit und Zögling der Thomasschule, bei der ohnehin schon grossen Ausdehnung der Ferien, auch noch an denjenigen beiden Tagen im Jahre auf den Unterricht verzichten müsse, an welchen auf der Thomasschule im Interesse der christ- lichen Confirmanden der Unterricht ausfällt. Die ausser- ordentlich treffende Antwort, welche Hr. Professor Heym dem Dr. Asher auf diese Beschwerde gab, bat er mich, nicht zu veröffentlichen. Alsdann sei Dr. Asher im Laufe seines Gespräches auf die von ihm wörtlich als „Skandal für unsere Hochschule*' bezeichneten Untersuchungen über-

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(reo-anofen, welche ich in Gemeinschaft mit meinen Collegen P'echner, Wilhelm Weber und Scheibher mit dem Ameri- kaner Slade angestellt habe. Auf die Erwiderung des Herrn Professor Hey m, dass man über solche Dinge, wenn sie von anerkannten Naturforschern auf Grund eingehender Beobach- tuno-en als Thatsachen verbürgt würden, nicht in so schroffer und verletzender Weise absprechen dürfe, habe ihm Dr. Asher sein Bedauern darüber ausgesprochen, dass ein ausführlicher, in englischer Sprache von ihm verfasster Aufsatz „über die Fortschritte des Spiritualismus in Deutschland" in der „Times" (wie sich Hr. Prof. Heym zu erinnern glaubte) keine Auf- nahme gefunden habe und er sich in Folge dieser Abweisung genöthigt sähe, die Unterbringung des betreffenden Artikels in andern englischen Zeitungen zu versuchen. Das Vor- stehende ist der wesentliche Inhalt der von mir am 1. Juli d. J. in der Wohnung des Herrn Professor Heym über Dr. David Asher geführten Unterhaltung.

Anfanö; März d. J. wurde mir nun von der Redaction der in Philadelphia wöchentlich erscheinenden Zeitung „Mind and Matter'^ ein Exemplar dieses Blattes v. 28. Febr. 1880 übersandt, in welchem sich auf S. 4. ein „Brief aus Leipzig über den Fortschritt des Spiritualismus in Deutsch- land" („Letter from Leipzic on the progress of Spiritualism in Germany^') aus der Zeitung ,,Nation'^ vom 12. Febr. 1880 abgedruckt befand, der in deutscher Uebersetzung, mit Fort- lassung unwesentlicher, durch Punkte angedeuteter, Stellen wie folgt lautet:

„Ein hervorragender Berliner Irrenarzt Aveist mit Nachdruck auf die in Zöllner's Familie vorhandene Tendenz zum Wahnsinn hin und nimmt keinen Anstand, Zöllner selber für wahnsinnig zu erklären. Ein junger Docent, welcher sich in einem Spielwaaren-Laden, in welchem Taschenspieler ihre Kunststücke kaufen, Slade's berühmtes Tafel-Kunst- stück und Andere besorgt hatte, durch welche Zöllner behauptete, überzeugt worden zu sein, producirte dieses Kunststück mit grossem Ge- scliick in Abendgesellschaften. . . . Zöllner nimmt den Kampf in vier dicken Bänden auf, Avelche er in 20 Monaten geschrieben hat. . . . Ob- schon der heftige Angriff auf Helmholtz nur eine der zahlreichen Verletzungen des collegialen Anstandes war, wofür der arme, blinde Privatdocent Dühring mit vollem Eechte seines Lehrstuhles in Berlin beraubt wurde, so wünscht doch keiner der von Zöllner am schärfsten

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angegriffenen CoUegen, dass er seines Amtes entsetzt werde, sondern man will ihn der Universität erhalten zur Illustration des in Deutschland fast allgemein aufrecht erhaltenen Principes, dass die Stellung eines Professors eine lehenslängliche ist."

Wäre ich nun zu der Annahme berechtigt , dass der vorstehende Brief seinem Inhalte nach von Hrn. Dr. David Asher herrührt, so würde ich, wie ich glaube, ebenso zu einer strafrechtlichen Verfolgung des Hrn. Dr. David Asher auf Grund des §. 186 des deutschen Strafgesetzbuches zur Vertheidigung meiner öffentlich verletzten Ehre be- rechtigt sein , wie vor 8 Jahren , beim Erscheinen meines Buches „über die Natur der Cometen", gegen die Verbreiter derselben Gerüchte (Helmholtz, Wiedemann, E. du Bois-Reymond u. A.).

Der betreffende Paragraph lautet nämlich wie folgt: „Wer in Beziehung auf einen Andern eine Thatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Thatsache erweislich wahr ist, wegen Beleidigung mit Geldstrafe bis zu 600 Mark oder mit Haft oder mit Gefängniss bis zu einem Jahr und , wenn die Beleidigung öffentlich oder durch Verbreitung von Schriften, Abbildungen oder Darstellungen begangen ist, mit Geldstrafe bis 1500 Mark oder mit Gefängniss bis zu 2 Jahren bestraft."

Jedenfalls wird Hr. Dr. David Asher mit mir darin übereinstimmen, dass ich nicht eher im Stande bin, die von ihm gewünschte „Ehren-Erklärung" im hiesigen Tage- blatte zu veröffentlichen, bevor er nicht selber über seine Beziehungen zu dem oben erwähnten ,^LeUcr from Leipmc on tlie progress of Sjnritualism in Germany"' im Leipziger Tageblatte eine „Erklärung" abgegeben hat.

Aber auch in dem Falle, dass Hr. Dr. David Asher öffentlich erklärt, er sei nicht der Autor jenes oder eines Briefes ähnlichen Inhaltes, würde ich für mich und meine Collegen Wilhelm Weber, Fechner und Scheibner erst dann in der Lage sein, Hrn. Dr. David Asher ein öffentliches Attest über seinen „sittlich unbescholtenen Charakter" im Leipziger Tageblatte auszustellen, wenn er öffentlich seine, in hiesigen akademischen Studenten -Ver- einen in Uebereinstimmung mit den Anschauungen des (wegen unehrenhafter Handlungen zu 8 Jahren Gefängniss und fünf

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Jahre Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurtheilten, in demselben Semester wie der Kaiser- Attentäter Nobiling von der philosophischen Facultät der Universität Leipzig zum Doctor promovirten) Simon Glattstern, ausgesprochene Behauptung widerruft, der Amerikaner Henry Slade sei ein betrügerischer Taschenspieler, der mich und meine Collegen Fechner, Wilhelm Weber und Scheibner bei unserer einojehenden wissenschaftlichen Untersuchung: mit ihm betrogen habe, und es ein „Skandal für unsere Hochschule" sei, dass wir uns mit solchen Untersuchungen beschäftigt haben. Herr Dr. A s h e r wird auch in diesem Falle mit mir einverstanden sein, dass eine solche öffentlich ohne zwino-ende Be- weise ausgesprochene Behauptung eine „Verunglimpfung" der Universität Leipzig und unserer wissenschaftlichen Ehre, zugleich aber auch eine „Verunglimpfung" eines Mannes involvirt, w^elchen sowohl anerkannte wissenschaftliche Autori- täten als auch der „Hofkünstler Seiner Majestät des Königs und Kaisers Wilhelm I. von Deutschland", Hr. Prestidimta- teur Samuel Bellachini, auf Grund eingehender Unter- suchunojen durch ein in aller Form vor Notar und Zeuo^en ausgestelltes Attest^) für einen ehrlichen Mann erklärt und drinojend der Aufmerksamkeit und eino^ehenden Berück- sichtigung der Naturforscher empfohlen hat.

Um übrigens Hrn. Dr. David Asher als Israeliten das öffentliche Bekenntniss seiner Sünden möglichst leicht zu machen natürlich nur unter der Annahme, dass derselbe überhaupt Sünden auf seinem Gewissen habe, für welche er Gott und der Welt, sei es in diesem oder jenem Leben, einmal als bussfertiger Sünder Rechenschaft abzulegen hat, erlaube ich mir ihn darauf aufmerksam zu machen, dass nicht nur der oben citirte Paragraph des deutschen Strafgesetz- buches die Verleumdung unserer Mitmenschen durch Strafen brandmarkt, sondern auch der für alle Juden verbindliche Sitten-Codex des alten Testaments, woselbst im Jesus Sirach Cap. 5, Vers 17 geschrieben steht:

^) Vgl. die vollständige Keproduction dieses Attestes in meiner Schrift: „Zur Aufklärung des deutschen Volkes u. s. w." S. 27 ff.

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„Ein Dieb ist ein scliändlicli Ding, aber ein Verleumder ist noch viel schändlicher."

Mögen die Studirenden der Universität Leipzig eingedenk der Anerkennung sein, welche bereits gegenwärtig ihr frei- müthiores und unerschrockenes Auftreten für die Wahrheit und für die ungeschmälerte Aufrechterhaltung der Freiheit der Wissenschaft in Deutschland im Auslande gefunden hat. Es sind hier zunächst die Worte bemerkenswerth, mit welchen das oben angeführte amerikanische Journal „Mind and Matter" den Abdruck des „Letter from Leipzic on tJie progress of Spiritiialism in Germany" einleitet. In deutscher Sprache lauten diese Worte :

„Die „„Nation^^^'' vom 12. Febr. d. J, druckt einen Brief aus Leipzig über den Fortschritt des Spiritualismus in Deutschland ab, welcher, obschon von einem erbitterten Feinde der neuen Wissenschaft geschrieben, dennoch einige Thatsachen enthält, welche geeignet sind, ihre Freunde zu ermuthigen. ,,„Die Ansteckung (sagt die Nation) scheint sich besonders unter den Studenten und den halbgebildeten Arbeiter-Classen auszu- breiten.""

Wohlan denn! wenn deutsche Studenten eine Frage in Angriff nehmen, so können Avir uns zuversichtlich darauf verlassen, dass dieselbe mit Sorgfalt, ohne Furcht und ohne Kücksicht auf die daraus fliessenden Consequenzen behandelt wird. Das Gleiche kann weder von den ge- bildeten Classen in England noch in Amerika behauptet werden. Deutsch- land mag, vom practischen Gesichtspunkte aus betrachtet, als eine militärische Despotie angesehen werden, in geistiger Beziehung ist es das Land der Freiheit."

In ähnlich anerkennender Weise über Deutschland und die Aufnahme des Magnetiseurs Hansen in Sachsen spricht sich ein mit dem Namen Simonyi unterzeichneter Aufsatz des ,, Westungarischen Grenzboten" (21. März 1880) aus. Derselbe trägt die folgende Ueberschrift :

„Hansen's Aufnahme im Keiche des eisernen Kanzlers und

Hansen's Aufnahme im freien, verfassungsmässigen

Staate Ungarn."

Die Einleitung lautet wörtlich wie folgt:

Pressburg, 20. März.

„Ich nahm mir unlängst in einer sehr glänzenden und zahlreichen Gesellschaft die Freiheit, jener Meinung Ausdruck zu verleihen, dass manche unserer Politiker vollständig jenen von Hansen Magnetisirten gleichen, „sie glauben eine Birne zu essen und haben einen rohen Erdapfel in der

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Hand." Auch die Aufauhme, welche Hansen wenigstens von gewisser Seite in Ungarn und Pressburg fand, im Verhältniss zu seinem Aufent- halt in Deutschland, bestätigt vollinhaltlich die Richtigkeit dieses Aus- spruches. Wir nennen uns so oft ein freies und verfassungsmässiges Land, und von so Vielen wird geltend gemacht, wir besässen eigent- lich zu viel Freiheit. Man gestatte nun anzusehen, wie es denn eigent- lich in Wirklichkeit aussieht. Man gestatte uns eine Parallele zwischen H a n s e n's Aufnahme in Deutschland und bei uns zu ziehen. Deutschland nennt Niemand das Land der Freiheit. Im Gegentheil, das lieich der Gottesfurcht und frommen Sitte wird vielmehr, und zwar von seinen besten Patiioten, als die Heimath der „Pedant okratie" und der Mass- regelungen bezeichnet. Und der deutsche Zopf hat noch seine Geltung wenigstens nicht ganz verloren. Sehen wir nun, wie H a n s e n in Deutsch- land aufgenommen wurde. Hansen hat in den grössten deutschen Städten experimentirt, also Berlin, Leipzig, Dresden, Hamburg u. s. w. In den meisten Städten hatte er nicht nur volle Freiheit öffentlich zu experimentiren, sondern er wurde beinahe überall in Deutschland von den Spitzen der Wissenschaft, von hervorragenden Aerzten, Professoren aufgesucht, er erhielt Einladungen vor ihnen zu experimentiren; überall wurden seine Experimente ohne Sympathie und Antipathie, daher ohne Vorurtheile wissenschaftlich geprüft und auf das Genaueste beobachtet. Mau hatte Fragen an ihn gestellt, ihn aufgefordert, in dieser oder jener Richtung zu experimentiren. In Leipzig brachte ihn Geheimer Rath Dr. T hier seh in's städtische Krankenhaus und liess ihn magnetische Versuche an zu Amputirenden machen. Ferner hat er vor dem bekannten Physiker und Psychologen Fechner, dem bekannten Gelehrten und Prof. der Astrophysik Zöllner experimentirt. Ebenso hat er in Dresden experimentirt, u. A. auch vor dem König Albert, ferner in einer Soiree, bei welcher sämmtliche Minister^) anwesend waren und sein Verfahren prüften, so experimentirte

^) Die Angabe, dass sämmtliche Minister anwesend waren, ist insofern nicht ganz correct, als z. B. der Cultusminister, Sr. Excellenz Herr Dr. von Gerber, nicht zugegen war. Die „Dresdner Nach- richten" v. 3. Mai 1879 berichten nämlich wörtlich:

„Die vorgestrige Soiree bei dem Herrn Grafen Hohenthal und Bergen gab dem viel angefeindeten Magnetiseur Professor Hansen abermals Gelegenheit, vor einer höchst distinguirten Gesellschaft seine Experimente zu zeigen. Anwesend waren u. A. die Herrn Minister von Fabrice, von Abeken, von Könneritz, der öster- reichische Gesandte von Franken stein, Intendant GrafPlaten mit ihren Gemahlinnen, Oberhofmeister von Lüttichau, Oberkammer- herr von Gersdorf, Flügeladjutant von Minckwitz etc. Die Ex- perimente wurden sämmtlich nur mit Personen aus dieser Gesellschaft

vorgenommen und lieferten sehr interessante Resultate Dass

diese Herrschaften, die sich persönlich von der interessanten Selten-

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Hansen in Chemnitz im naturwissenschaftlichen Vereine u. s. w. und wurde mit den günstigsten Bemerkungen beurtheilt. . ."

Im scliroJBfen Gegensatz zu diesen sympathischen Kund- gebungen des Auslandes über deutsche Professoren und Stu- denten stehen die Aeusserungen „vaterländischer" Blätter, 'welche sich unserem gutmüthigen Volke gegenüber zu Ver- tretern demokratischer Freiheit aufwerfen. Die „Frank- furter Zeitung" V. 23. März d. J. (wiederholter Abdruck am 29. März), ein Orgaa des Israeliten und demokratischen Reichstagsabgeordneten Lob Sonnemann, verleugnet bis zu einem solchen Grade alles Anstandsgefühl, dass sie durch folgende Drohungen ehrwürdige und um die deutsche Wissenschaft so hoch verdiente deutsche Männer wie unsern Fechner und Wilhelm Weber einzuschüchtern und zum öffentlichen Widerruf ihrer wissenschaftlichen Ueber- zeugungen zu bestimmen sucht:

„Ist hier nicht ebenso positiv die vierte Dimension des Herrn Zöllner unter Null herabgedrückt, wie kürzlich von Professor W i e d e - mann in Leipzig die strahlende Materie und der vierte Aggregatzu- stand des Herrn Crookes in ihr Nichts aufgelöst worden sind?

Werden die Herreu Professoren zu Leipzig endlich zur Besinnung kommen, werden sie durch das Geständniss, dass sie getäuscht worden sind, die auf der Universität- Leipzig lastende Schmach, welche die Afifaire Slade herbeigeführt hat, wieder gut machen und den Schand- fleck deutscher Wissenschaft von der Alma mater an der Pleisse wieder wegwischen?

Der L^nfug mit den hochtrabenden Redensarten von vierdimensio- nalen Bäumen und dem vierten Aggregatzustande ist entlarvt und die Leipziger Facultät sollte ihre geistersehenden Mitglieder durch ein kaltes Sturzbad ernüchtern, indem sie ihnen die Alternative stellt, entweder Irrthum zu bekennen und künftig derartigen Blödsinn nicht mehr drucken zu lassen, oder von der Lehrthätigkeit zurückzustehen. Mögen die genannten Männer noch so bedeutende Verdienste um die Wissen- schaft haben, so hat die ihnen schuldige Rücksicht doch nicht so weit zu gehen, dass man, wenn sie an der Grenze des Wahnwitzes stehen, ihnen die Erziehung der akademischen Jugend noch weiter überlässt. Treffend spricht sich hierüber ein amerikanisches Blatt, das „New- yorker Belletristische Journal" aus, indem es sagt:

heit überzeugen wollten, der oft gehörten läppischen Beschuldigung, sie hätten mitgespielt, nicht im Mindesten verdächtig sind, ist doch richtig und ebenso richtig, dass die versuchten Erklärungen mancher Männer der Wissenschaft zwar viel guten Willen, aber einen falschen Ausgangspunkt zeigen."

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„„Diese Herren wollen die schönste und erhabenste Errungenschaft des Menschengeistes, die Wissenschaft, die freie Forschung in den Staub herabziehen, indem sie die erbärmlichsten Gaunerstückchen, die offen- barsten Betrügereien in unglaublicher Verblendung für Wahrheit hin- nehmen und verächtliche Albernheiten, die in den „Victoria-Salon" und dergleichen Tingel - Tangel gehören, in die Hallen der Wissenschaft ein- führen, als wären sie ebenbürtig mit deren höchsten Problemen. Bei ihnen ist von einem versöhnenden Element, wie es der Glaube in allen andern Fällen ist, nicht die Eede, und wenn sie die politische und wirth- schaftliche Eeaction, welche jetzt in Deutschland waltet, auch auf das wissenschafthche Gebiet übertragen wollen, wenn sie die Quellen vergiften wollen, an denen die Jugend der Nation sich lagert, um ihren Durst nach Wahrheit zu stillen, dann ist es wahrhaftig an der Zeit, dass man ihnen ein donnerndes ,,Halt! Bis hierher und nicht weiter!" zu- rufe. Sie müssen zurücktreten von ihrer Hüterschaft des Borns der Weisheit und ihn würdigeren und fähigeren Händen überlassen , bis dieser Zustand krankhafter Geistesthätigkeit vorüber und die Vernunft bei ihnen wieder in ihre Eechte eingetreten ist. Eine weitere Fortsetzung und Unterstützung solchen Unfugs von solcher Seite kann den Dunkel- männern nur zur Freude gereichen, so lange Jene in ihren verantwort- lichen, autoritativen Stellungen verbleiben.'"'

Nicht minder verletzend für uns wie die vorstehenden Worte sind die Manifestationen theologisch - protestantischer Blätter, welche sich selber als „liberal" bezeichnen und, wie die „Protestantische Kirchenzeit ung" v. 9. Nov. 1878 unter der Devise: „Einer ist euer Meister, Christus, ihr aber seid alle Brüder" (Math. 23,8), mit folgenden Worten unsere wahrheitsgetreuen Berichte über wissenschaft- lich beobachtete Thatsachen kritisiren:

„Es ist bekannt, dass in unsern Tagen der Spiritismus aus dem Stadium einer blossen Phantasterei Weniger in das Stadium einer Krankheit Vieler getreten ist. Abgesehen von Amerika, wo dieser Aberglaube ca. 8 Millionen Anhänger zählen soll, ist er in Deutschland insonderheit in Leipzig auf- getreten und ein höchst geistreicher Artikel darüber findet sich „„Im neuen Keich"" 1878, No. 19. . . Der Mirakelstandpunkt hat gegen den Spiritis- mus keine Waffen. Der liberale Protestantismus allein ist im Stande, ihn in seiner Nichtigkeit aufzudecken. . . Es ist ein hässlicher Hexensabbath , welchen wir so die Koryphäen der Naturwissen- schaft aufführen sehen , aber es ist die nothwendige Ergänzung zu jenem Mangel an Vertiefung in echte Philosophie und wissenschaftliche Theologie, welche diesen Kreisen eigen ist. Mit dem Namen Kaufs prunken sie zwar, aber Krause weist Herrn Zöllner nach, dass er nicht einmal die vorkritischen von den kritischen Schriften Kant 's zu unterscheiden ver- zoll u e r , Beiträge zur Ju de u frage. 2

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mag und Herrn Heimholt z, den noch jüngst eine hegeisterungstrunkene Feder in dem Mosse 'sehen „Deutschen Montagsblatt" als Denker apo- theosirt hat, dass er nicht einmal die ersten Grundhegriffe, weder den termi- nus technicus ,,« iwiori"' noch .^transcendentaV'' in seiner Bedeutung erkannt habe, und belegt mit Stellen, dass beide das gerade Gegen theil von Kant ihm als seine Lehre untergeschoben haben. . . Seine (Helmholtz) Fehler aber sind es, welche die dii minorum gentium nicht zu verbessern ver- mögen, und die alte Wahrheit: Si delirant reges plectuniiir Achivi sollte ihn bestimmen, öffentlich dagegen aufzutreten."

Der oben von der protestantischen Kirchenzeitung " ihren Lesern als „ein höchst geistreicher Artikel" empfohlene Aufsatz „der Spiritismus in Leipzig" ist anonym von dem Schwiegersohne des Leipziger Professors der Physiologie C. Ludwig, Hrn. Alfred Dove, Professor der Geschichte in Breslau, geschrieben, wofür ich schriftliche und mündliche Beweise besitze. Zur Charakteristik des Tones , in welchem sich ein früheres Mitglied des akademischen Lehrkörj)ers der Universität Leipzig erlaubt, hochverdiente und würdige Männer wie Fe ebner und Wilhelm W eher sowie meinen Collegen Scheibner und mich selbst zu behandeln, mögen folgende, wörtlich jenem Aufsatze entnommene Stellen beweisen:

,,Wer lehrt an Eurer hohen Schule jetzt die Natur der Gestirne? Hr. Dr. Johann Karl Friedrich Zöllner ist unser ordentlicher Pro- fessor der Astrophysik; da liegen seine vornehmsten Schriften. Weiset her! Nun viel wisst Ihr freilich vom Himmel noch nicht, aber erstaun- lich Aveit mehr , als wir voreinst ; ein gelahrter Mann , Gott erhalt' ihn ! Was ist seine jüngste Arbeit? Am 17. December 1877, Vormittags 11 Uhr, hat er sich von dem Amerikaner Henry S lade in einem einfachen, durch ein Siegel über beide Enden zusammengeschlossenen Faden vier Knoten einbinden lassen, ohne dass das Siegel verletzt ward. Einbinden? aufbinden wollt Ihr sagen. . . . Nein, da kehrt unser wackerer Witten- berger Barsch lieber, gleich seinem jüngeren Commilitionen , Herrn von Mühler, ins himmlische Wirthshaus zu den drei Nebelflecken zurück, wo's denn doch noch geistreicher hergeht, als bei den Leipziger Spiritisten. Aiherrcheeses ! Nu äben." . . .

,, Reiten Sie hinaus durch Ihr Leipzig ins Johannisthai und blicken Sie von der Anatomie bis zum botanischen Garten die Reihe von Instituten entlang, die allein der kleine Staat Sachsen für Zwecke der Naturforschung gebaut hat, sich zum Ruhme, ganz Deutschland zu Nutz und Vorbild. Und gerade da müssen sich nun die Spiritisten niederlassen wie der Knoblauch unter den Eichen des Rosenthals; und ihre

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denkfaulen Gönner wähnen, so ein armseliges Häuflein von Pfuschern ohne Vorschule, das da experimentirt wie die Katze mit dem Spucknapf, werde was Erkleckliches bei- tragen zur Naturwissenschaft, den Meistern am Zeuge flicken und dem Cultusminister freiwillig unter die Arme greifen."

Dass Professor Alfred Dove sich übrioens nicht scheut, mit seinem vollen Namen solche rücksichtslose Kritiken an- gesehener Mitglieder unserer philosophischen Fakultät und des akademischen Senates zu veröffentlichen, beweist ein vor drei Jahren in derselben Zeitschrift (1877 No. 20) erschienener Aufsatz unter der üeberschrift :

„Bruhns, Humboldt und Gauss von A. Dove." Alfred Dove kritisirt in diesem Aufsatze eine literarische Festgabe unseres berühmten Astronomen, welche derselbe unter dem folgenden Titel: „Briefe zwischen A. v. Hum- boldt und Gauss, zum hundertjährigen Geburtstage von Gauss am 30. April 1877, herausgegeben von Dr. K. Bruhns, Professor und Director der Sternwarte in Leipzig. Leipzig, Wilhelm Engelmann 1877", vor drei Jahren veröffent- Hcht hat.

In der Kritik dieser Schrift bemerkt nun Alfred Dove u. A. wörtlich Folgendes:

„Eine so unexacte Leistung hätte zu Ehren des exactesten aller deutschen Geister nicht dargebracht werden sollen.

Möchte er indess immerhin unvollständiges geliefert, möchte er wirklich ein Bündel Briefe, wie er's gerade in Händen hatte, nur eben zum Druck gefördert haben, auch damit wollten wir zufrieden sein, wäre das Vorhandene nur formell mit hinreichender Sorgfalt behandelt worden. Leider aber liegen die Briefe Alexander von Humboldt 's, d. h. an Zahl drei Fünftel, an Masse weit mehr als drei Fünftel der Sammlung, in der traurigsten Ver- fassimg vor uns. Bruhns sagt darüber im Vorwort mit dankenswerther Offenheit: ,,l)ie Humboldt'schen Briefe sind möglichst correct wieder- gegeben, bei einigen unleserlichen Stellen sind Fragezeichen aufgeführt und wenige weggelassene persönliche Ausdrücke sind durch Punkte bezeichnet." Möglichst correct also ! nun ja , das durfte der Leser wohl ohne Unbe- scheidenheit erwarten. Nur ist das freilich bloss ein subjectives Mass und kann, objectiv betrachtet, wie sich recht betrübend zeigt, auch so viel als höchst incorrect bedeuten; wie denn auch der Ausdruck „unleserlich" hier augenscheinlich nicht auf eine durch elementare Einflüsse thatsächlich ver- dunkelte oder zerstörte, vielmehr lediglich auf eine vom Herausgeber nicht

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entzifferte Schrift abzielt. Nim schrieb Alexander von Humboldt in der That eine schwer lesbare Hand, und uns befremdet daher keineswegs, dass Bruhns die von ihm herausgegebenen Briefe nicht überall enträthselt hat; wodurch wir betroffen sind, das ist nur, dass er die von ihm nicht überall enträthselten Briefe herausgegeben hat. Und doch hat er seinen Lesern und zugleich Humboldt 's Andenken selber mit den unenträth- selten Sätzen noch nicht den schhmmsten Dienst geleistet ; viel bedenklicher ist manche Stelle, die er ohne Anstoss gelesen und ohne irgend ein Frage- zeichen dabei „aufzuführen" es scheint, er sieht Fragezeichen für Bau- werke, Symphonien oder Theaterstücke an in die Welt gesandt hat.

So stellt in Nr. 19 Humboldt Betrachtungen über seine bevorstehende Heimkehr aus Paris an und schreibt nach Bruhns an Gauss unter anderem : „An gutem Willen nützlich zu sein soll es mir nicht fehlen und ich rechne stets auf Ihren Eath , auf den Eath ,des grossen Meisters in der Kmist', sagt Sabine, ein bescheidener freundlicher Engländer (und der freundlichen, mittheilenden giebt es nicht Ueberfluss), war seit wenigen Tagen angekommen, als Ihr Brief voll schöner Beobachtungen über die Strahlenbrechung, mich erfreute." Weder die grammatische Missbildung dieses Satzungethüms noch die Sonderbarkeit, dass hier für eines der Lieblingscitate Humboldt 's die Autorität des bescheidenen Engländers angezogen Avird, hat den Herausgeber stutzig gemacht. Man möchte wetten, dass hinter „des grossen Meisters in der Kunst" ein Punkt zu setzen und statt „sagt Sabine" vielmehr ,,Capt. Sabine" zu lesen ist. Der später als Colonel, dann General und Präsident der Eoyal Society berühmte Edward Sabine, dessen Gattin den Kosmos so meisterhaft ins Englische übertragen hat, w^ar eben 1827 noch Capitän, und somit stand ihm die bescheidene Freundlichkeit desto besser zu Gesichte. In der Nachschrift des nämlichen, Paris den 16. Februar 1827 datirten Briefes begegnet uns „den Bonapar- tischen Olymp erschütternd" ein ,,Graf Apperz". Wer, wenn ihm das Dienstmädchen den Besuch eines Grafen Apperz metdete, würde nicht den Verdacht schöpfen, dass hier eine bedauernswerth schwere, wenn auch nur fahrlässige Namensverstüramelung verübt worden sei! Indessen kann, wer Humboldt 's lateinische Lettern genau kennt, keinen Augenblick be- zweifeln, dass er Appony geschrieben und den damaligen österreichischen Botschafter in Paris, Grafen Anton Appony i gemeint hat. In Nr. 27, dem ersten kurz nach dem historischen Acte der Göttinger Sieben ver- fassten Briefe, soll Humboldt nach Bruhns keinen geringeren als Wilhelm Weber „lobenswürdig, geistreich und harmlos" genannt haben. Die Correctur ,,nebenswürdig" für das überaus matte und platte ,, lobens- würdig" ergiebt sich unwidersprechlich aus der Erwägung^ der Situation wie der betheiligten Personen. Ein paar Zeilen weiter lässt unsere Jubel- schrift Humboldt sagen, er habe nicht das Herz, Gauss diesmal „von anderen Meteoren zu schreiben". Die leuchtende That der Göttinger Sieben mit einem Meteor vergHchen zu sehen befriedigt unser poetisches Bedürfniss in hohem Grade; indem man sich jedoch in desto grösserer

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Verlegenheit nach den „anderen Meteoren" umschaut, gelangt man zu der Ueberzeugung , dass die prosaische Lesart „von anderen Materien" für diesmal doch noch vorzuziehen sein wird. Aus dem folgenden, langen Schreiben über denselben Gegenstand (Nr. 28) erfahren Avir bestürzt: „Lehrvorträge der Physik wären ja ohnedies allen soliden Beziehungen auf die Gegenwart fremd." Wie ? also nur den soliden ? und den unsoliden etwa nicht? Zum Glück für die doch nicht ganz so windige Physik er- sehen wir aus dem von Bruhns früher edirten Leben Humboldt 's, wo der wichtige Brief sich gleichfalls fast unverkürzt findet, dass der alte gute Herr ganz einfach geschrieben hat: „allen solchen Beziehungen". In Nr. 30 soll Humboldt gar die Grippe als „eine ziemlich sinnlose, systematische Bezeichnung der pathologischen etc.!" verdächtigen; und doch kann sich auch der grösste Humboldtverelirer kaum verhehlen, dass durch „die pathologischen Etcetera" die düstere Sinnlosigkeit des Namens Grippe eher noch gesteigert, als vermindert werden würde. Aus Bruhns' „Alexander von Humboldt, eine wissen schaftüche Biographie" Band H. S. 269 erhellt die Auflösung: „eine ziemlich sinnlose systematische Be- zeichnung des pathologischen X,", wodurch dem Mathematiker Gauss gegenüber gewiss nicht uneben auf eine unbekannte Grösse hingedeutet wird. Dass Humboldt 's kleines lateinisches n fast wie ein r aussieht, hatte schon oben zur Urzeugung des Grafen Apperz mitgeholfen; in Nr. 36 ist aus demselben Grunde die Unsündhaftigkeit magnetischer Sonntags- beobachtungen zur Ursündhaftigkeit " geworden. In Nr. 42 endlich wird uns vertraut, Eisenstein sei moniviter in die Berliner Akademie aufgenommen, ein so fragwürdiges Adverb, dass Bruhns ausnahmsweise ein Fragezeichen dahinter aufgeführt hat. Und wirklich finden wir in unserem lateinischen Wörterbuch an der gefährüchen Stelle zwischen inonitus der Warnung und monoceros dem Einhorn keine Spur von jener seltsamen Lautgestaltung. Dagegen stossen wir in der Vulgata, Apostel- geschichte 2, Vers 46, auf unanimiter, was Luther durch „einmüthig" wiedergiebt, und das wird man wohl auch einmal von der Berliner Akademie haben sagen dürfen.

Diese flüchtige Blüthenlese von Leseblüthen aus den Briefen Alexander von Humboldt 's mag genügen.

Aber, werden unsere Leser nicht vielleicht einwerfen, dass auch wir, um mit Humboldt zu reden, hier mit Krallen auftreten? Esmagsem; nur dass wir uns bewusst sind, mit diesen scharfen Werkzeugen Wunden zu vergelten , die der Herausgeber der vorliegenden Festschrift zwar mit stumpferer Waffe , aber wahrlich nicht schonender den Schatten unserer grossen Männer beigebracht. Allein lassen wir einmal den